Donnerstag, 9. September 2010

KOSOVO

KOSOVO

Zunächst war die Geschichte des Kosovo, des "Amselfelds", friedlich: Seit dem Mittelalter lebten Serben und Albaner einträchtig zusammen. Für die ab dem 7. Jahrhundert eingewanderten Serben galt die Region bald als diBevölkerung seit den Dreißigerjahren (60 zu 40 Prozent) zugunsten der Albaner.Im sozialistischen Jugoslawien wurde das Kosovo zu einer autonomen Provinz in Serbien erklärt. Staatspräsident Tito wollte Kosovo und die Provinz Vojvodina sogar zu gleichberechtigten Republiken erheben, scheiterte jedoch an dem Widerstand der Serben. In der Verfassung von 1974 erhielten das Kosovo und die Region Vojvodina als Kompromiss einen den anderen sechs Republiken vergleichbaren Status. So waren die Vertreter der beiden autonomen Provinzen stimmberechtigt im Staatspräsidium vertreten. Allerdings wurde den Regionen das Recht auf Sezession abgesprochen. Mit der Verfassungsrevision 1990 in Serbien wurde der autonome Status des Kosovo zurückgeschraubt, das Parlament und die Regierung des Kosovo aufgelöst. Die Stimmen des Kosovo und der Vojvodina im jugoslawischen Staatspräsidium erhielt Serbien.Heute ist die Bevölkerung des Kosovo jung und - Statistiken fehlen - wohl im Schnitt um die 20 Jahre alt. Im Kosovo leben etwa 2 Millionen Menschen, davon sind mehr als 100.000 Serben (vor 1999: über 200.000) und einigen zehntausend Mitglieder anderer Minderheiten. So gibt es die slawischen Muslime der Gorani und der Bosniaken sowie Roma, Ashkali, "Ägypter" und Türken. Türkisch ist bis heute offizielle Stadtsprache in der zweitgrößten Stadt Prizren.Die letzten Wahlen zum Parlament des Kosovo fanden am 17. November 2007 statt. Die Demokratische Partei (PDK) unter dem Spitzenkandidaten Hashim Thaçi wurde mit 34 Prozent stärkste Kraft. Die Demokratische Liga (LDK) des Präsidenten Fatmir Sejdiu kam mit 22,6 Prozent auf den zweiten Platz (2003 noch 45 Prozent). 20 von 120 Sitzen im Parlament sind für ethnische Minderheiten reserviert - 10 für Serben, 4 für Ashkali beziehungsweise Kosovo-Ägypter und Roma, 3 für Bosniaken, 2 für Türken und 1 für Gorani. Die meisten Serben boykottierten die Wahl. Dennoch wurden zwei Serben zu Ministern der Regierung berufene Wiege ihrer Nation, die Albaner dagegen sehen sich heute als die Urbevölkerung. Die Niederlage gegen die Türken 1389 auf dem Amselfeld ist für die Serben bis heute ein nationales TraumaIm Jahr 1912 eroberte die serbische Armee das Kosovo und annektierte es. Seither fühlen sich die Albaner als Menschen zweiter Klasse. In den Zwanzigerjahren ließ der serbische Staat Albaner in die Türkei deportieren, während des Zweiten Weltkriegs, unter italienisch-deutscher Besatzung, revanchierten sich die Albaner mit der Vertreibung von Serben. Angesichts der höheren Natalität der Albaner veränderte sich die Zusammensetzung der .
Klima: gemäßigt kontinental mit ausgeprägten, jahreszeitlich bedingten
Temperaturschwankungen (im Sommer bis 40 °C , im Winter bis unter −20 °C).
Lage: im Zentrum der Balkanhalbinsel, grenzt an Serbien, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Albanien und Montenegro
Größe: 10.877 Quadratkilometer
Hauptstadt: Prishtina/Priština, Bevölkerung zwischen 250.000 und 550.000 (keine Volkszählung seit 1981)
Bevölkerung: Einwohnerzahl: ca. 2 Millionen, davon (nach aktuellen Schätzungen der OSZE) ca. 91% Albaner, 4% Serben, 5% übrige Minderheiten (Türken, Bosniaken, Gorani, Roma, Ashkali und sog. Ägypter)
Landessprachen: Amtliche Landessprachen sind Albanisch und Serbisch. Türkisch, Bosnisch und Romani können auf kommunaler Ebene als amtliche Sprachen Anwendung finden.
Religionen: Islamische Gemeinschaft (Bevölkerungsmehrheit), Serbisch-Orthodoxe Kirche, Katholische Kirche (zur Religionszugehörigkeit sind derzeit keine aussagekräftigen Statistiken vorhanden).
Nationaltag:17.02.2008, Tag der Unabhängigkeitserklärung Kosovos
Unabhängigkeitsdatum:Am 17.02.2008 wurde die Unabhängigkeit Kosovos proklamiert; bislang von 55 Staaten, darunter 22 Mitgliedsstaaten der EU, anerkannt.
Staatsform/Regierungsform: Republik/Parlamentarische Demokratie mit Einkammerparlament (Verfassung vom 15.06.2008)
Staatsoberhaupt:Staatspräsident Dr. Fatmir Sejdiu (LDK), gewählt für fünf Jahre (erster Amtsantritt: 10.02.2002, zweiter Amtsantritt: 09.01.2008)
Regierungschef: Premierminister Hashim Thaçi (PDK),
Amtsantritt: 09.01.2008 (vierjähriges Mandat)
Außenminister:Skender Hyseni (LDK), Amtsantritt: mit Verabschiedung der Verfassung am 15.06.2008
Parlament:Einkammerparlament, 120 Sitze, 20 davon für Minderheitenvertreter reserviert (zehn für Vertreter der Kosovo-Serben, vier für Roma, Aschkali und Ägypter, drei für Bosniaken, zwei für Türken und einer für Gorani), im November 2007 für vier Jahre gewählt; Parlamentspräsident: Jakup Krasniqi (PDK)
Regierungsparteien: Demokratische Partei Kosovos (PDK), 30.83% der Stimmen bei den Wahlen im November 2007, 37 Sitze, Vorsitzender: Hashim Thaçi; in Koalition mit der Demokratischen Liga Kosovos (LDK), 20,83 % der Stimmen,25 Sitze, Vorsitzender: Dr. Fatmir Sejdiu.
Opposition:
AKR (Allianz Neuer Kosovo), 13 Sitze, Vorsitzender: Behgjet Pacolli
AAK (Allianz für die Zukunft Kosovos), 13 Sitze, Vorsitzender: Ramush Haradinaj.
LDD (Demokratische Liga von Dardanien), 11 Sitze, Vorsitzender: Nexhat Daci (Abspaltung von der LDK im Januar 2007)
SLS (Selbstständig Liberale Partei), kosovo-serbische Partei, 7 Sitze, Vorsitzender: Bojan Stoijanovic
Gruppe 7+, zusammengesetzt aus politischen Vertretern der türkischen, bosniakischen und Roma-Gemeinschaften, 7 Sitze, Vorsitzende: Mufera Sinik
Parteilose: 7 Sitze
Gewerkschaften: Verband der Unabhängigen Gewerkschaften Kosovos (BSPK), gegründet 1990
Verwaltungsstruktur: Zentralstaat mit 30 Gemeinden. Im Zuge der Dezentralisierung sollen fünf weitere Gemeinden gegründet werden.
Mitgliedschaft in Internationalen Organisationen: bislang keine
Wichtigste Medien:Fernsehen: öffentlich-rechtlicher Sender RTK, KTV, TV21, zahlreiche lokale PrivatsenderRundfunk: öffentlich-rechtlicher Sender Radio Kosova (RTK), Radio Blue Sky, Radio DukagjiniTageszeitungen: „Koha Ditore“, „Express“, „Lajm“, „Zeri“, „Kosova Sot“, „Bota Sot“, „Epoka e Re“ und „Info Press“Englischsprachige Presse: „Pristina Insight“ und „Kosov@ Post“
Bruttoinlandsprodukt (BIP): ca. 3, 804 Mrd EUR (2008)
BIP/Kopf: ca. 1.759 EUR (2008)
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17.02.2009
KOSOVO FEIERT ERSTEN GEBURTSTAG

Seit dem 17. Februar 2008 ist Kosovo unabhängig.

Neben Deutschland erkennen bis jetzt 58 Staaten das Land völkerrechtlich an. Deutschland unterstützt den weiteren Aufbau Kosovos personell und materiell.
Am 17. Februar 2008 hat das kosovarische Parlament die Unabhängigkeit des Landes erklärt und sich zur Umsetzung des „Comprehensive Settlement Proposal“ (Ahtisaari-Paket) und insbesondere der darin enthaltenen weitgehenden Bestimmungen zum Schutz der Minderheiten sowie der Kultur- und Religionsstätten verpflichtet.
Mit Inkrafttreten der Verfassung der Republik Kosovo am 15. Juni 2008 wurde formal der Prozess der Staatsbildung abgeschlossen. Die Verfassung entspricht europäischen Standards mit Garantien zum Schutz der Menschenrechte und Minderheiten.
Neben Deutschland haben bisher 58 Staaten, darunter 22 EU-Mitgliedsstaaten, das Land völkerrechtlich anerkannt. Deutschland und die EU unterstützen den weiteren Aufbau Kosovos personell und materiell.
Erste Fortschritte beim Aufbau demokratischer Institutionen und einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft zeichnen sich ab. Dennoch müssen die Menschen in Kosovo eine konkrete Verbesserung ihrer Lebensumstände erfahren.
Deshalb kommt es auch in Zukunft darauf an, das kosovarische Staatswesen zu stabilisieren. Dazu gehören:
die Verbesserung der Rechtsstaatlichkeit,
der Aufbau von Justiz und öffentlicher Verwaltung,
der Kampf gegen die Korruption und das organisierte Verbrechen sowie
die bessere Integration der Minderheiten, insbesondere der Kosovo-Serben.
Deutschland engagiert sich
Die völkerrechtliche Anerkennung durch Deutschland, verbunden mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen, erfolgte am 21. Februar 2008. Zuvor hatten sich die EU-Mitgliedsstaaten am 18. Februar 2008 darauf geeinigt, dass jeder Staat über seine Beziehungen zu Kosovo in Übereinstimmung mit seiner nationalen Praxis und dem Völkerrecht selbst entscheidet.
Deutschland setzt sich seit langem für einen demokratischen, multiethnischen und wirtschaftlich florierenden Kosovo ein. Es unterstützt den Aufbau des Landes in personeller und finanzieller Hinsicht.
Bei der internationalen Geberkonferenz im Juli 2008 machte Deutschland Zusagen in Höhe von 100 Millionen Euro für die Jahre 2008 und 2009 und ist damit nach den USA zweitgrößter bilateraler Geber.
Hinzu kommen das deutsche Engagement in den vor Ort tätigen internationalen Organisationen (EULEX Kosovo, KFOR, der OSZE-Mission OMIK und Büro des Internationalen Zivilen Repräsentanten/ICO), die deutschen EU-Beiträge sowie humanitäre Hilfen.
Zuletzt stellte die Bundesregierung für den Aufbau der neu gegründeten professionellen Sicherheitskraft des Landes Fahrzeuge und Anhänger aus Bundeswehrbeständen zur Verfügung. Diese Kosovo Security Force (KSF) nimmt bis auf weiteres zivile Aufgaben wie Krisenreaktion, Sprengmittelbeseitigung und Zivilschutz wahr.
Unterstützung durch die EU
Mit der ESVP-Rechtsstaatlichkeitmission EULEX leistet die EU einen substantiellen Beitrag zur Etablierung eines professionellen, multiethnischen Justiz-, Polizei- und Zollwesens. Die Mission hat im gesamten Kosovo den Großteil der bislang durch die United Nations Interim Mission in Kosovo (UNMIK) wahrgenommenen Aufgaben übernommen.
EULEX Kosovo nahm am 9. Dezember 2008 mit einer Personalstärke von rund 1.600 internationalen (und etwa 500 lokalen) Experten ihre Tätigkeit auf. Sie erreichte am 6. April 2009 mit rund 1.750 internationalen Mitarbeitern ihre volle Einsatzfähigkeit. Sie verfügt über begrenzte exekutive Befugnisse, so etwa bei der Verfolgung der organisierten Kriminalität und Kriegsverbrechen sowie bei Grenzkontrollen und der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung (“Crowd and Riot Control“).
An der Mission, die zunächst auf zwei Jahre ausgelegt ist, beteiligt sich Deutschland gegenwärtig mit annähernd 100 Polizisten und rund 20 zivilen Experten.
Wie sämtliche Staaten des westlichen Balkans hat auch Kosovo eine europäische Perspektive und strebt langfristig eine Aufnahme in die EU an. Der im März 2003 eigens für Kosovo geschaffene „Stabilisation and Association Process Tracking Mechanism“ (STM) soll das Land auf seinem Weg in die EU unterstützen.
Die Europäische Kommission kündigte in ihrem Fortschrittsbericht zu Kosovo an, im Herbst 2009 im Rahmen des Stabilisierungs- und Assoziierungsprozesses (SAA) eine Machbarkeitsstudie vorzulegen.

Freitag, 23. Juli 2010

Bajram Rexhepi

Bajram Rexhepi

Ist geboren am 3. Juni 1954 in Mitrovica, ist ein kosovarischer Politiker und amtierender Innenminister des Kosovo. Er war der erste Ministerpräsident des Landes nach dem Kosovo-Krieg. Er ist Mitglied der nach Wählerstimmen zweitstärksten Partei des Kosovo, der Demokratischen Partei des Kosovo (alb.: Partia Demokratike e Kosovës / PDK), diese gilt als eine der Nachfolgeorganisationen der kosovo-albanischen Guerillatruppe UÇK. Er legte 1979 einen Hochschulabschluss in Medizin an der Universität Priština ab und ging dann bis 1985 zur Universität Zagreb. Von 1985 bis 1990 war er in seiner Heimatstadt Mitrovicë als Chirurg tätig.

Während des Kosovo-Krieges 1999 trat Rexhepi der UÇK bei, in der er drei Monate als Feldarzt tätig war. Bei den ersten Wahlen zum Kosovo-Parlament im November 2001 errang seine Partei 25,7% der Stimmen und wurde damit zweitstärkste Kraft nach Ibrahim Rugovas Demokratischer Liga des Kosovo. Am 4. März 2002 wurde Rexhepi vom kosovarischen Parlament zum Ministerpräsidenten bestimmt. Bei den nächsten Wahlen, am 24. Oktober 2004 wurde die Demokratische Partei erneut zweiter hinter der LDK. Am 3. Dezember wurde Ramush Haradinaj, der später wegen Kriegsverbrechen in Den Haag angeklagt wurde, Rexhepis Nachfolger als Ministerpräsident.

Rexhepi war ausserdem Bürgermeister seiner Geburtsstadt Mitrovica und Präsident der Gesellschaft der Kosovo-Gemeinden (vgl. Städtetag)

Rexhepi gilt als moderater Politiker, der sich für den Ausgleich zwischen den ethnischen Gruppen im Land einsetzt. Um die Teilung des Kosovo zwischen Serben und Albanern zu verhindern, schlug Rexhepi einen Gebietstausch mit Serbien vor (Nordkosovo für das Preševo)
Er ist verheiratet und hat eine Tochter.

Donnerstag, 8. April 2010

DARDANIEN - WER SIND ALBANER


Dardanien ist eine historische Region in Südosteuropa, die sich zwischen den Flüssen Ibar, Morava und dem Oberlauf des Vardar erstreckte. Sie umfasst das heutige Territorium Kosovos und ferner einige Gebiete im Süden Serbiens sowie in Mazedonien. Die Region war nach dem illyrischen Stamm der Dardaner benannt, der sich im Osten mit thrakischen Elementen vermischte.
Die Dardaner, schon bei Homer erwähnt, unternahmen in der Antike häufig Raubzüge in das südlich gelegene Gebiet der Makedonen, wurden jedoch 335 v. Chr. von Makedonien unterworfen. 279 v. Chr. zogen aus Makedonien vertriebene keltische Stämme ins Land der Dardaner. Um 250 v. Chr. breiteten sich die Dardaner bis zur Adria aus, wobei ihre schärfsten Gegner die illyrischen Ardiaioi (deutsch Ardiäer) waren. 229 v. Chr. schlugen die Dardaner Demetrios II. Unter Phillip V. wurden Dardaner um Pella, Edessa und Beroia angesiedelt.
Mitte des 1. Jahrhunderts geriet das Gebiet unter die Herrschaft Roms und bildete einen Teil der Provinz Moesia (später Moesia superior). In dieser Zeit wurden in Dardanien zahlreiche Veteranenkolonien errichtet, die Stadt Scupi entwickelte sich zur Metropole, weiterhin gründete Kaiser Trajan das Stadt Ulpiana. Nach einem Aufstand unter Mark Aurel wurden sie zum römischen Militärdienst ausgehoben. Im Zuge der Reformen Diokletians wurde die römische Provinz Dardania begründet, welche die Städte Naissus, Ulpiana, Scupi, das Municipium Dardanorum und Justiniana Prima umfasste. Prokopios von Caesarea verzeichnete im 6. Jahrhundert 69 Festungen in Dardanien. Im 7. Jahrhundert wurde das Gebiet nach erfolglosen Kriegen Maurikios’ von Slawen eingenommen.
Im Spätmittelalter erscheint Dardanien erneut in den Werken gelehrter Autoren. Heute wird der Name von Kosovo-Albanern gelegentlich als alternative Bezeichnung für Kosovo verwendet.


Wer sind die Albaner?
Die Albaner führen ihre Ursprünge auf die Illyrer zurück, das älteste Volk auf dem Balkan, das bereits mehrere Jahrhunderte vor der Ankunft der Hellenen dort sesshaft war. Die Geschichte der wichtigsten Städte im heutigen Albanien legt Zeugnis der vielen Einflüsse ab, die diese Region formten. Ein Beispiel dafür ist Shkodra (Skutari), die wichtigste Stadt im Norden Albaniens: sie war römisch, byzantinisch, slawisch, venezianisch und osmanisch. Zum Ende des 19. Jahrhunderts war seine Bevölkerung katholisch, orthodox und muslimisch.

Albaniens Nationalheld ist Gjergji Kastrioti (Skanderbeg), der zuerst ein muslimischer und osmanischer General war, bevor er sich wieder zum Christentum bekannte und 20 Jahre gegen die osmanischen Eroberer Albaniens kämpfte. Erst mit seinem Tod im Jahr 1468 unterlag das Land den Osmanen.

Danach konvertierten viele Albaner zum Islam. Osmanischen Albanern standen in der Verwaltung des Reiches alle Karrierewege offen. Von den 42 Großwesiren waren in der Phase der größten osmanischen Macht (von 1453 bis 1623) elf Albaner und nur fünf Türken (andere waren griechische, bosnische, tscherkessische oder georgische Muslime).

Doch die Zugehörigkeit zur Elite dieses großen multiethnischen Reiches hemmte gleichzeitig die Entwicklung einer albanischen Identität. Schulen waren in Albanien verboten. Soweit es sich um orthodoxe Albaner handelte, drohte die (griechische) Kirche jedem, der schrieb, mit der Exkommunikation. Es gab keine einheitliche albanische Grammatik bis 1979 und die Impulse zur Entwicklung einer einheimischen albanischen Hochkultur kamen aus der Diaspora in Sizilien, Kalabrien, Istanbul, Rumänien und Bulgarien. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Bibel ins Albanische übersetzt.

Naim Frasheri, eine führende Persönlichkeit der Geschichte des albanischen Nationalismus im 19. Jahrhundert, merkte an, dass den Albanern ein wesentliches Merkmal des Nationalismus' seiner Nachbarn auf dem Balkan fehle: eine gemeinsame Religion. Die unterschiedlichen albanischen Stämme gehörten dem Katholizismus, der Orthodoxie, dem sunnitischen sowie dem Bektashi-Islam an. Bis heute stellt die religiöse Vielfalt kein ernsthaftes Problem in Albanien dar.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Bajram Kelmendi

Bajram Kelmendi

Unter dem Volk bekannt als „Avokat Kelmendi“, setzte sich als Jurist für die Rechte und die Freiheit der Albaner aus Kosovo ein. Er war Gründer des Menschenrechtsrates in Prishtina. Am 25.-26. März des Jahres 1999 wurde er zusammen mit seinen zwei Söhnen ermordet.

Seine Arbeit als Jurist und politischer Aktivist

Als Anwalt vertrat Bajram Kelmendi viele politische Gefangene und setzte sich für die einzig verbliebene albanische Tageszeitung „Koha Ditore“ ein. Neben seiner Arbeit als Anwalt, informierte er auch verschiedene ausländische Menschenrechtsorganisationen über die serbische Staatswillkür und die politisch, motivierten Verbrechen an der kosovo-albanischen Bevölkerung und sammelte Beweise für den Haager Gerichtshof. Bajram Kelmendi genoss sowohl in seiner Heimat Kosovo, als auch im Ausland grosses Ansehen für seine Arbeit. Dieser Ruhm hält auch noch heute, nach seiner Ermordung, an.

Die Ermordung von Bajram Kelmendi

Wegen seiner detailgetreuen Protokollierung der serbischen Verbrechen an der kosovo-albanischen Bevölkerung wurde er für den serbischen Staat immer gefährlicher. In der Nacht des 24. März, ungefähr zeitgleich mit den Nato-Luftangriffen, stürmten fünf serbische Polizisten das Haus der Kelmendi’s. Nach den Worten der Frau von Bajram Kelmendi, Nekibe Kelmendi, versuchte der Sohn Kastriot die Polizei anzurufen, um ihnen mitzuteilen, dass jemand in das Haus eingedrungen sei, doch die serbische Polizei hat zuvor die Telefonleitung gekappt. Die Familienangehörigen mussten allesamt mit dem Bauch auf dem Boden liegen. Die Polizei begann mit ihrer Hausdurchsuchung, konnte aber nichts finden. Gegen 13:30, nahm die Polizei Bajram und seine beiden Söhne, Kushtrim und Kastriot Kelmendi fest. Am Morgen des 26 März, fand man ihre Leichen an einer Nebenstrasse von „Fushë Kosovë“.

Der Fall „Bajram Kelmendi“ und die Verfolgung kosovo-albanischer Intellektueller

Nach dem Tot von Bajram Kelmendi brach in der Stadt Prishtina vor allem unter den Akademikern, Journalisten, Politikern und Juristen, die sich allesamt für die Rechte der Albaner einsetzten, Massenpanik aus. Verbrechen an unschuldigen, albanischen Zivilisten gab es zwar schon vor der Ermordung von Bajram Kelmendi, doch war seine Ermordung auch ein Zeichen dafür, dass die serbische Geheimpolizei von nun an auch kein Halt vor politischen Aktivisten machten, die auch im Ausland bekannt waren. Einige jener, die sich ihres Lebens nicht mehr sicher waren, flohen in die Nachbarländer Mazedonien oder Albanien, anderen gewährte man in Westeuropa politisches Asyl. Im Exil setzten sich viele dieser politischen Verfolgten weiterhin für die Rechte der Albaner im Kosovo ein.

Nekibe Kelmendi

Nekibe Kelmendi wurde in Peja geboren. Wie ihr Mann studierte auch sie an der juristischen Fakultät in Prishtina. Nach ihrem Studium erlernte sie den Beruf Anwältin und wurde somit zur ersten albanischen Frau, die diesen Beruf bekleidete. Heute ist Nekibe Kelmendi als Justizministerin für die kosovarische Regierung tätig.

Samstag, 5. September 2009

Jakup Krasniqi

Jakup Krasniqi

Geboren am 1. Januar 1951 in Fatos Drenas ist ein kosovarischer Politiker und Parlamentspräsident des Kosovo.

Leben
Krasniqi studierte Geschichte an der philosophischen Fakultät der Universität Priština. Später war er in Skenderaj Geschichtslehrer. In den Jahren 1981 bis 1991 befand sich Krasniqi in Zrenjanin und Novi Sad in serbischer Gefangenschaft.
Seit der Gründung des Kosovo ist er aktives Mitglied im Vorstand der LDK in Drenas. Aktiv engagierte er sich beim Aufbau der UÇK und war während des Kosovokrieges deren Pressesprecher. 1999 nahm er als Mitglied der albanischen Delegation an den Verhandlungen zum Vertrag von Rambouillet in Frankreich teil.
Im selben Jahr wurde die Demokratische Partei des Kosovo (PDK) gegründet. Seither ist Krasniqi Mitglied und Generalsekretär dieser Partei. Bei den ersten freien Wahlen im Kosovo wurde Krasniqi Abgeordneter des Parlaments und Vorsitzender der PDK-Fraktion.
In der ersten Nachkriegsregierung wurde Krasniqi Minister für den Öffentlichen Dienst. Bei den Verhandlungen mit der serbischen Seite war er Mitglied der strategischen politischen Gruppe (Grupi politik strategjik). Bei den Parlamentswahlen im Kosovo 2007 wurde die PDK Wahlsieger. Am 9. Januar 2008 wählte ihn das neue Parlament des Kosovo zu seinem Präsidenten.

Freitag, 28. August 2009

Amselfeld

Die Albaner und die Schlacht auf dem Amselfeld

Prof. Stefan Pollo Direktor des Institutes für Geschichte
Albanien heute, 3/89

Die Schlacht auf dem Amselfeld des Jahres 1389 zwischen der Koalition der Balkanländer Und den osmanischen Besatzern gehört zu den grossen Ereignissen der Vergangenheit, die im Leben der Völker unserer Halbinsel eine Wende markierten. Wir gedenken dieser Schlacht nicht einfach als eines historischen Ereignisses. Die osmanischen Armen errangen dabei zwar den Sieg, und bahnten dadurch den Weg zur Besetzung des ganzen Balkans, wir aber gedenken ihr als einer Schlacht, bei der die Balkanvölker dafür kämpften, ihre Freiheit und Unabhängigkeit zu verteidigen, wobei sie unzählige Opfer brachten, als einer Schlacht, die die Balkanvölker zu einer einzigen Front gegen die fremden Eindringlinge vereinigte. Diese Schlacht wurde im Gedächtnis der Generationen, in ihren Liedern und Sagen verankert und verewigt.Die Albaner zeichneten sich in dem heroischen Widerstand gegen die osmanischen Eindringlinge Ende des 14. Jahrhunderts durch Tapferkeit und ihren freiheitsliebenden Geist sowie durch ihre Bereitschaft aus, mit den Nachbarn gegen den gemeinsamen Feind zusammenzuarbeiten.Bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts konsolidierte sich in Albanien die Tendenz, einen zentralisierten Staat aufzubauen, der in den 70er und 80er Jahren unter der Führung von Gjergj Balsha II. den grössten Teil der albanischen Gebiete erfasste, und sich zeitwilig bis nach Prizren und zum Amselfeld erstreckte. Diesen Prozess unterbrach jedoch der osmanische Sturm. Damit begann für die Albaner die lange Periode der Kämpfe für die Verteidigung der Freiheit und Unabhängigkeit, welche mehr als 100 Jahre andauerte. Der Überfall der Sultanarmeen gefährdete nicht nur die Albaner, sondern alle Balkanvölker. Und bereits am Anfang ergab sich die Notwendigkeit der Vereinigung der Kräfte, um die Agression zurückschlagen zu können. Die Albaner vereinigten sich mit ihren Nachbarn bei der Schlacht von Marica im Jahr 1371. Ihr folgten andere Schlachten der Albaner mit den osmanischen Türken. Die Niederlagen bekräfgten die Notwendigkeit der Vereinigung. Der erste Sieg der albanischen Verbände von Gjergj Balsha II., die sich mit den serbischen und bosnischen Kräften vereinigt hatten, wurde im Jahr 1387 bei Ploshnik errungen. Diese Siege konsolidierten die Balkankoalition und die Überzeugung, die osmanische Agression durch eine entscheidende Schlacht ihrer vereinigten Kräfte zurückschlagen zu können. Und diese Schlacht fand am 28. Juni 1389 auf dem Amselfeld statt. Die Hauptkräfte, die an dieser Schlacht teilnahmen, waren die des serbischen Fürstentums von Morava mit König Lasar, die des albanischen Fürstentumes von Gjergj Balsha II., "von Jorgji, des Herren des albanischen Shkodra", wie ihn die osmanischen Geschichtsschreiber nannten, ferner die des serbischen Fürstentums von Wuk Brankowitsch, der die albanischen Gebiete von Kosovo besass, und die des Fürstentums von Bosnien unter dem Herren Twartko. Historischen Angaben zufolge nahmen an dieser Schlacht auch die Streitkräfte zweier albanischer Feudalherren teil, nämlich die von Dhimiter Jonima, dessen Besitze zwischen Lezha und Rreshen lagen, und die von Todor Muzaka II., des Herren von Berat und Herrscher der Myzeqe. "Die albanischen Herren", heisst es in der Chronik von Muzaka, "zogen ins Feld vereinigt als Verbündete eines gemeinsamen Krieges". Darüber hinaus, heisst es in den historischen Quellen, gab es auch bulgarische und aromunische Kräfte.Die regulären albanischen Verbände bezogen Stellung an der rechten Frontflanke, wo sich, nicht zufällig, auch die Streitkräfte von Wuk Brankowitsch aufstellten, zu denen auch die KosovoAlbaner gehörten.Der Kampf auf dem Amselfeld war sehr hart, mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Dort starb auch Sultan Murat I., getötet von dem Albaner Milosh Kopiliqi, ebenso wurde der Fürst Lazar, der die Balkankoalition leitete, von den Türken gefangengenommen und aus Rache hingerichtet.Konstantin Jirecek zufolge "konnten nur wenige von den albanischen Feudalherren, die an der Schlacht teilnahmen, ihr Vaterland wiedersehen" .Der Sieg der Osmanen bei der Schlacht auf dem Amselfeld war von katastrophalen Folgen für den Balkan. Mit dem unaufhaltsamen Vorstoss der feindlichen Armeen wurde auch der Unabhängigkeit der feudalen Staaten der Halbinsel ein Ende gesetzt, die nun zu Vasallen des osmanischen Reiches wurden.Die Schlacht auf dem Amselfeld bleibt aber trotzdem ein glänzendes Kapitel in der mittelalterlichen Balkangeschichte. Sie ist ein Beweis für den freiheitsliebenden Geist der Volksmassen der Halbinsel, die schon früher Beweise für ihre Entschlossenheit geliefert hatten, die Aggression zurückzuschlagen und die Unabhängigkeit ihrer Länder zu verteidigen. Dieser kämpferische Geist blieb auch nach der Niederlage unbesiegbar erhalten. Das ruhmreichste Beispiel dafür lieferten die Albaner, die mit ihrem Aufstand der 30er Jahre des 15. Jahrhunderts (Gjon Kastrioti, Gjergj Arianiti, Bep Zenebishi, Nikolle Dukagjini u.a.m) und insbesondere mit dem grossen 25jährigen antiosmanischen Kampf unter der Führung des Nationalhelden Gjergj Kastrioti Skanderbeg (1444146 ihren flammenden Patriotismus ihre grenzenlose Liebe zur Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes und die Bereitschaft zeigt, alles in ihren Namen zu opfern.Die Schlacht auf dem Amselfeld blieb ebenso wie die früheren Schlachten von Marica und Ploschnik ein glänzendes Beispiel der Balkanzusammenarbeit in der Geschichte. Vor der gemeinsamen Gefahr gaben die Balkanfürsten, unterstützt von den Volksmassen, ihre Streitigkeiten, Feudalambitionen und ihre partikularistischen Interessen auf, um ihre Kräfte gegen die fremden Eindringlinge zu vereinigen. Wenn die Geschichte, wie man sagt, eine Lehrerin des Lebens ist, ist das die wichtigste Lehre, die aus diesen Ereignissen gezogen werden muss, und gleichzeitig einer der positivisten Aspekte. Genau das meinte Marx, als er schrieb, dass die Osmanen bei der Schlacht auf dem Amselfeld die vereinigten Streitkräfte der Serben, Albaner, Bosnier, Bulgaren und Aromunen schlugen. Diese Schlachten erweisen der Geschichte der Völker der Balkanhalbinsel Ehre. Die Zusammenarbeit der Völker des Balkans sollte auch während der osmanischen Besetzung zum Ausdruck kommen. Ein beeindruckendes Beispiel in dieser Hinsicht ist die Teilnahme von Freiwilligen aus den Balkanländern an den serbischen, griechischen und rumänischen Befreiungsrevolutionen Anfang des 19. Jahrhunderts sowie die Ideen der demokratischen Revolutionen dieser Länder hinsichtlich der Balkansolidarität, im Kampf für die Vertreibung des Osmanischen Reiches der Sultane von der Halbinsel. Doch die serbische, griechische und später auch die bulgarische Monarchie, verfolgten, nachdem sie ihre Macht konsolidiert hatten, eine expansionistische Politik auf Kosten der anderen, und vor allem der Albaner, um grosse Staaten innerhalb der Grenzen ihrer mittelalterlichen Reiche, im Interesse ihrer eigenen Bourgeoisie, wiederzugründen. Diese Politik unterminierte nicht nur die Balkansolidarität, sondern wurde auch zum Hauptgrund der Spaltung und der Kämpfe, die den Balkanvölkern und vor allem dem albanischen Volk unschätzbaren Schaden zufügten. Das albanische Volk, das einen wertvollen Beitrag zum Befreiunsgprozess des Balkans geleistet hatte, erkämpfte seine Freiheit nicht nur als letztes, sondern wurde durch den Beschluss der imperialistischen Mächte bodenmässig sehr stark verstümmeltelt.Die Schlacht auf dem Amselfeld hat als ein historiographischer Fakt die Aufmerksamkeit der Historiker verschiedener Länder innerhalb und ausserhalb unserer Halbinsel auf sich gezogen. Unglücklicherweise fanden aber die expansionistischen Tendenzen, Albanien zu zerstückeln und die albanische Nation von der politischen Balkankarte auszuradieren, ihren Ausdruck auch in der Geschichtsschreibung, in der Publizistik und in der ganzen nationalistischen Propaganda, in denen das albanische Volk als ein Volk ohne Geschichte und Kultur dargestellt wurde, dass es daher nicht verdiente, seinen eigenen Staat zu haben, In diesem Geist sind die historischen Ereignisse des Balkans behandelt worden. Diese niederträchtige Tradition ist heute von der grossserbischen Geschichtsschreibung auch da wiederbelebt worden, wo es um die Schlacht auf dem Amselfeld im Jahvin 1389 geht. Die Idee, die die nationalistische serbische Geschichtsschreibung wie ein schwarzer Faden durchzieht, ist die Leugnung der Teilnahme der Albaner an dieser Schlacht, und insbesondere die Leugnung der Beteiligung der Kosovoalbaner, aus dem einfachen Grund, so die serbische Geschichtsschreibung, weil Kosovo im 14. Jahrhundert "echter serbischer Boden" ohne Albaner gewesen sei, den aber dann die Albaner Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts mit der Hilfe der osmanische 'Feudalherren als Besatzer besiedelt hätten,Daher ist die Schlacht auf dem Amselfeld für sie nicht eine Schlacht der Balkanvölker, wie sie eine Reihe hervorragender Historiker bezeichnet haben, also eine Schlacht, bei der die Albaner eine wichtige Rolle gespielt haben, sondern eine Schlacht der serbischbosnischen Kräfte. Und diese Auffassung vertreten sie heute noch hartnäckig, da wichtige, vor allem osmanische Quellen ans Tageslicht gekommen sind, die ganz deutlich und unbestreitbar die Präsenz der albanischen Kräfte in dieser Schlacht hervorheben, und sie als die wichtigsten nach den serbischen und bosnischen bezeichnen. Was die grossserbischen Geschichtsschreiber am meisten beunruhigt ist die Präsenz und die Beteiligung der Kosovoalbaner an der Schlacht, die ihre so weit hinausposaunte These über Kosovo als "die Wiege, das Herz und den Geist Serbiens" wiederlegt. Eine Reihe von historischen, hauptsachlich osmanischen Angaben beweist, dass die Albaner von Kosovo zwar nicht, wie die der anderen Gebiete, ihre eigene staatliche Formation hatten, weil sie sich unter der Herrschaft des Fürstentumes von Wuk Brankowitsch befanden, in Kosovo aber bereits im 14. Jahrhundert als eine vorherrschende Bevölkerung präsent waren, die in ihren eigen Gebieten, Städten, Dörfern' als eine sesshafte und Hirtenbevölkarung, als Handwerker, Händler, Kleriker usw. lebten.Auffallend ist die Tatsache, dass das Epos der KosovoAlbaner über diese Schlacht, zwar in den Jahrhunderten zerstückelt und verändert, doch unsere Tage erreicht hat, und auf dem ganzen Territorium des Gebietes verbreitet ist. Im Gegensatz zu dem epischen serbischen Lied, das hauptsächlich dem Fürsten Lasar und den grossen serbischen Adligen gewidmet ist, stellte das albanische Epos in den Mittelpunkt der Erzählung den wahren Helden dieser Schlacht, den Landmann Milosch Kopiliq, der sich opferte und dabei den Sultan tötete. Es erzählt von Wanderungen der albanischen Bevölkerung nach der Schlacht, und, was wichtiger ist, es wird darin die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass sie eines Tages, wenn "der Türke besiegt ist", wieder in ihre Heime zurückkehren würden. Die Namen der albanischen Kämpfer der Schlacht auf dem Amselfeld wie Milosch, Musa Arbanasi, Ivan Kosantschitsch tauchen auch in dem slawischen Epos auf.Der 600. Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld hat in Serbien den Anlass zu einer ohrenbetäubenden Kampagne der Presse und der ganzen Massenmedien gegeben, wobei die historische Realität durch das serbische Mythos über Kosovo ersetzt wird, wobei die Falken im Geist der serbischen Ausschliesslichkeit willkürlich vergewaltigt werden. Diese Kampagne hat den Segen der serbischen Kirche, die einst den König Lasar zum "Heilgen" erklärte, und zu dessen Grab man nun Pilgerfahrten organisiert. All dies und die Ultramassenkundgebungen, die geplant sind, schüren in hohem Masse den serbischen Nationalismus und den Hass gegen 'Sie Albaner, was bis zu chauvinistischem Wahnsinn reicht. Der einfache Mensch fragt nun mit Recht, warum wird ein solcher Lärm veranstaltet, wo solch grosse Feierlichkeiten nicht einmal zu anderen, noch grösseren historischen Siegen der serbischen Bevölkerung organisiert werden? Das Paradoxe daran lässt sich daraus erklären, dass die grossserbischen Kreise das bei dieser Schlacht vergösse Blut zum Hauptargument machen, um die einheimische und ausländische Öffentlichkeit von den "historischen" Rechten Serbiens in Kosovo zu überzeugen, und ihre albanienfeindliche Politik zu rechtfertigen, die zur Zeit in diesem Gebiet verfolgt wird.Die sorgfältige Erforschung und die genaue und objektive Interpretation der Angaben über die Schlacht auf dem Amselfeld ist eine Aufgabe der historischen Wissenschaft. Sie wird dabei helfen, nicht nur die Wahrheit aufzuzeigen, sondern auch die nötigen Lehren daraus zu ziehen und sie in den Dienst der Verständigung zwischen den Völkern und ihrer Zusammenarbeit zu stellen. Wir gedenken des 600. Jahrestages der Schlacht auf dem Amselfeld vom Jahr 1389, und ehren diejenigen, die für die Freiheit, Unabhängigkeit und Kultur ihres eigenen Landes kämpften, und wir schätzen die Botschaft der Freundschaft und Zusammenarbeit, die diese Schlacht den Generationen hinterließ.

Freitag, 14. August 2009

Çamen

Çamen
(albanisch: Çamët, griechisch: Tsamides, deutsch gelegentlich auch: Tschamen) sind Albaner aus der nördlichen Küstenregion von Epirus (alb. auch Çamëria). Das Siedlungsgebiet der Çamen umfasste seit dem Mittelalter weite Teile von Epirus zu beiden Seiten der heutigen griechisch-albanischen Grenze. In jenen Gegenden lebten sie neben Griechen und Aromunen. Seit dem 15. Jahrhundert kamen türkische Siedler hinzu. Ein Teil der Çamen wurde dann unter der osmanischen Herrschaft zu Muslime, während andere den orthodoxen Glauben behielten. Die Çamëria ist der südlichste Teil des geschlossenen albanischen Sprachgebiets.
Im 19. und 20. Jahrhundert siedelten eine größere Zahl von Çamen ins Gebiet der heutigen Türkei über. Je zur Hälfte muslimisch und christlich-orthodox wurden die Çamen durch die Grenzziehung von 1913 zu einer ethnischen Minderheit im neuen griechischen Nationalstaat. Zwar wurde der muslimische Teil der Çamen offiziell vom griechisch türkische Bevölkerungsaustausch nach dem Ersten Weltkrieg ausgenommen, während die noch in Epirus lebenden Türken gehen mussten. Jedoch wurden die muslimischen Çamen in der Zwischenkriegszeit diskriminiert. Ein Teil der Çamen kollaborierte mit den italienischen sowie deutschen Besatzungstruppen und mit der von diesen eingesetzten albanischen Zivilverwaltung im Zweiten Weltkrieg. Griechische Truppen nahmen dies als Anlass, um einen Großteil der verbliebenen Albaner 1944 kollektiv nach Albanien zu vertreiben, wobei es nach albanischen Darstellungen zu vielen Opfern auch unter der Zivilbevölkerung kam.
In Albanien leben Çamen vor allem in der Gegend zwischen Konispol und Saranda.
Über die Çamen orthodoxer Konfession, die in Epirus verblieben sind, ist wenig bekannt. Es gibt keine offiziellen Zahlen über die Stärke dieser Volksgruppe. Sie werden vom griechischen Staat nicht als ethnische Minderheit anerkannt; allerdings werden seitens der in Griechenland verbliebenen Çamen auch keine Minderheitenrechte eingefordert, zumindest nicht öffentlich artikuliert. Strittig ist, ob sie noch ein gesondertes (albanisches) Selbstverständnis haben (bzw. als griechisch-orthodoxe Christen jemals hatten) oder ob sie mittlerweile „arvanitisiert“ und daher vollständig in eine griechische Identität assimiliert sind. Im Gegensatz zu den Arvaniten im Süden Griechenlands ist ihnen die Bezeichnung Shqiptar für sich selbst und die Staatsbürger Albaniens bekannt, was allerdings nicht unbedingt mit dem Gefühl der Zugehörigkeit zur albanischen Nation einhergeht. In griechischer Sprache bezeichnen sie sich ebenso als Arvaniten, die Bezeichnung als Çamen wird von ihnen abgelehnt. Den Çamischen Dialekt kann man auch heute noch in Igoumenitsa, Filiates und den umliegenden Dörfern hören.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Ismail Qemali

Ismail Qemali

Geboren 16. Januar 1844 in Vlora. Gestorben 24. Januar 1919 in Perugia war ein albanischer Politiker und Publizist. Er rief am 28. November 1912 in Vlora die Unabhängigkeit Albaniens und wurde erster Regierungschef des neuen Staats.

Leben
Albanischer Geldschein mit dem Bildnis Qemalis
Qemali besuchte einige Jahre das griechische Gymnasium „Zosimea“ in Ioannina, bevor seine Familie 1859 nach Istanbul übersiedelte. Dort trat er im Alter von 19 Jahren in den öffentlichen Dienst des Osmanischen Reiches ein; er bekleidete dort bis 1900 eine Reihe verschiedener Positionen. Die meiste Zeit war er dabei in Istanbul tätig. Dort beteiligte er sich auch an den kulturellen und politischen Aktivitäten albanischer Patrioten unter Leitung der Gebrüder Frashëri. Als die osmanische Regierung an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die Autonomiebestrebungen der Minderheiten scharf zu verfolgen begann, geriet auch Qemali ins Visier der Polizei. Er ging deshalb für einige Jahre ins Exil nach Westeuropa, wo er durch Vorträge und Zeitungsartikel auf die Lage der Albaner aufmerksam machte.
Im Zuge der jungtürkischen Revolution kehrte er zurück und wurde 1908 als Abgeordneter für Berat ins osmanische Parlament gewählt. Dort setzte er sich für die Dezentralisierung der Verwaltung und einen autonomen Bezirk für die Albaner innerhalb des Reiches ein. Als sich das jungtürkische Regime nach 1909 in ein Militärregime mit türkisch nationalistischen Zügen wandelte, schloss sich Qemali der albanischen Unabhängigkeitsbewegung an, die 1910/11 in einen offenen bewaffneten Aufstand gegen die osmanische Herrschaft überging. Bei Ausbruch des Ersten Balkankriegs reiste Qemali über Bukarest nach Österreich-Ungarn. In Budapest erhielt er vom Außenminister Leopold Graf Berchthold die Zusage, dass die Donaumonarchie die Errichtung eines unabhängigen albanischen Staates unterstützen würde.

Unabhängigkeitsdenkmal in Vlora mit Qemali als zentraler Figur
Auf einem österreichischen Schiff kehrte Ismail Qemali am 19. November 1912 nach Albanien zurück und leitete die Nationalversammlung in Vlora. Als Vorsitzender spielte er eine zentrale Rolle bei der Ausrufung der Unabhängigkeit Albaniens. Zusammen mit Isa Boletini und Luigj Gurakuqi hisste er auf einem Balkon in Vlora die rote Flagge mit Skanderbegs Doppeladler als Zeichen der nationalen Unabhängigkeit der Albaner.
Qemali wurde Vorsitzender der ersten albanischen Regierung, die mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, aber vor allem um die Anerkennung des Landes ringen musste. Nachdem die Großmächte den Deutschen Wilhelm zu Wied zum Fürsten von Albanien ernannt hatten, trat Qemali am 22. Januar 1914 zurück. Er verließ Albanien und starb fünf Jahre später in Italien.

Montag, 13. Juli 2009

Isa Boletini

Isa Boletini

Geb. 1864 in Boletin, Kosovo; Starb am 23. Januar 1916 in Podgorica, Montenegro war ein albanischer Politiker und Organisator der Bewegung für Freiheit und nationale Vereinigung.

Leben

Boletini wurde in Boletin bei Mitrovica geboren. Bereits im Alter von 17 Jahren nahm er als Mitglied der Liga von Prizren am bewaffneten Kampf gegen die osmanischen Truppen teil.

Von 1899 bis 1900 unterstützte er Haxhi Zeka und andere bei der Gründung der Liga von Peja und im Widerstand gegen die osmanische Herrschaft.
1901 bis 1902 war Isa Boletini Oberhaupt der albanischen Bewegung gegen die Intervention Serbiens, Montenegros, Russlands und Österreich-Ungarn in Albanien. Deshalb wurde er nach Istanbul gerufen, verhaftet und bis 1906 von der Außenwelt isoliert. Er befürwortete die jungtürkische Revolution 1908 (Absetzung des amtierenden Sultans.
Später kehrte Boletini der jungtürkischen Politik den Rücken und organisierte als Anführer einen Aufstand der Albaner im eigenen Land. Er führte 1910 und 1912 aufständische Albaner im Kampf gegen die Osmanische Armee. Während des Ersten Balkankrieges kämpfte er im November 1912 als Hauptmann der freiwilligen bewaffneten Gruppen gegen serbische Truppen, die große Teile des albanischen Siedlungsgebiets erobern sollten.
In den Tagen der Ausrufung der Unabhängigkeit Albaniens (28. November 1912 in Vlora traf Boletini Ismail Qemali, dessen provisorischen Regierungssitz in Vlora er beschützen half. 1913 ging er gemeinsam mit Ismail Qemali nach London, wo er an der Botschafterkonferenz für die Interessen seines Volkes sprach. Er protestierte gegen das Bestreben Frankreichs und Russlands, Albanien komplett auf die bestehenden Staaten Serbien, Montenegro und Griechenland aufzuteilen. Die Angliederung seiner Heimat Kosova an Albanien konnte er nicht erreichen.
Im Ersten Weltkrieg engagierte sich Boletini als Guerllia-Führer gegen die serbischen und montenegrinischen Truppen. Er wollte den Vormarsch der österreichisch-ungarischen Armee unterstützen, wovon er sich Vorteile für Albanien versprach. Isa Boletini starb am 23. Januar im Kampf gegen montenegrinischen Truppen bei Podgorica.
Seine Verbundenheit mit der Heimat drückte er in dem Satz „Mir geht es gut, wenn es Albanien gut geht“ aus.
Der frühere Präsident des Kosovo, Ibrahim Rugova, hat Boletini zum Nationalhelden des Kosovo erklärt, aber für fast alle Kosovaren ist immer noch Gjergj Kastrioti ihr Nationalheld.

Die Serben dagegen sehen in ihm eher einen bewaffneten Banditen, der das Chaos in der Region während der Zeit der Balkankriege und des Ersten Weltkriegs geschickt zu nutzen wusste. In der historischen Tradition Albaniens spielt Isa Boletini neben Ismail Qemali nur eine untergeordnete Rolle.

Agnes Gonxhe Bojaxhiu

Mutter Teresa
wurde am 27. August 1910 als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Üsküp im Osmanischen Reich auf dem Gebiet des heutigen Mazedonien geboren.
Gonxha (das aus dem Persischen stammende Wort für „Blütenknospe“) wuchs in einer wohlhabenden katholischen albanischen Familie auf. Ihr Vater stammt ursprünglich aus der Mirdita, einer Region im Norden Albaniens, und ihre Mutter aus Gjakova im Kosovo. Sie wurde von ihren Eltern sehr religiös erzogen. Ihre Schulausbildung absolvierte sie an einer katholischen Mädchenschule in Shkodra. Als sie zehn Jahre alt war, starb ihr Vater überraschend; sie widmete sich daraufhin noch mehr dem Glauben. Schon im Alter von zwölf Jahren entschied sie sich für ein Leben als Ordensfrau und bat im Alter von 18 Jahren um die Aufnahme in den Orden der Loretoschwestern. Die Sisters of the Blessed Virgin Mary, ein irischer Zweig der „Englischen Fräulein“, engagierten sich damals besonders im Unterrichtswesen in Bengalen/Indien. Sie konnte jedoch nicht sofort mit ihrer Arbeit in Indien beginnen, sondern wurde erst ins Mutterhaus der Loretoschwestern nach Irland geschickt. Am 28. September 1928 reiste sie aus Skopje nach Irland ab. Nach nur zwei Monaten konnte sie im Haus des Loreto-Ordens in Bengalen tätig werden. In Kalkutta legte sie die erste Profess ab. Daraufhin war sie 17 Jahre in der St. Mary's School in Kalkutta tätig, wo sie erst als Lehrerin, dann als Direktorin wirkte.

Arbeit in Indien
Auf einer ihrer zahlreichen Fahrten durch die Millionenstadt Kolkata verspürte sie am 10. September 1946 die göttliche Berufung, den Armen zu helfen. In ihrem Tagebuch schildert sie dieses Erlebnis als mystische Begegnung mit Jesus, der sie dazu aufgefordert habe „alles aufzugeben und Ihm in die Slums zu folgen - um Ihm in den Ärmsten der Armen zu dienen.“Erst zwei Jahre später erhielt sie die Erlaubnis, die Loretoschwestern zu verlassen. Mutter Teresa wurde exklaustriert, d. h. sie konnte den Orden verlassen, ohne ihren religiösen Stand als Ordensschwester aufgeben zu müssen. Fortan lebte Mutter Teresa unter den Ärmsten der Armen in den Slums von Kalkutta, wo sie zunächst als Einzelperson wirkte, bis sich ihr einige frühere Schülerinnen anschlossen. Ein berühmt gewordenes Porträt von ihr im Magazin LIFE brachte ihr den Beinamen „Saint of the Gutters“ ("Heilige der Gosse") ein.
Mutter Teresa hatte 1948 selbst die indische Staatsbürgerschaft angenommen und gründete 1950 den Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Wie in allen katholischen Orden verpflichten sich die Mitglieder auf die so genannten Evangelischen Räte der Ehelosigkeit, der Armut und des Gehorsams. Später wurde der Orden vom Papst anerkannt. Der Orden kümmert sich besonders um Sterbende, Waisen und Kranke, sein spezielles Engagement liegt jedoch in der Betreuung der Leprakranken. Heute gehören über 3.000 Ordensschwestern und über 500 Ordensbrüder in 710 Häusern in 133 Ländern der Erde dem Orden von Mutter Teresa an. Für das ihr zugerechnete Wirken erhielt sie zahlreiche Preise. Die bedeutendsten waren der Balzan-Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern 1978 und der Friedensnobelpreis 1979.
Auf die oftmals mangelnde medizinische Ausbildung ihrer Mitarbeiter pflegte Mutter Teresa zu entgegnen: „Nicht der Erfolg, sondern die Treue im Glauben ist wichtig.“ Neben der weltweiten Anerkennung für ihre Arbeit wurde sie für ihre konservative Weltanschauung kritisiert. So sah sie in der Abtreibungspolitik vieler Länder die „größte Bedrohung für den Weltfrieden“. Als in Irland darüber abgestimmt werden sollte, ob die Ehescheidung legalisiert werden sollte, rief sie die Iren dazu auf, mit Nein zu votieren.
Die im Jahr 2007 von Brian Kolodiejchuk, dem Postulator in ihrem Heiligsprechungsprozess, in Buchform herausgegebenen Tagebuchnotizen und Briefe von Mutter Teresa belegen, dass sie sich über Jahrzehnte hinweg in einer schweren Glaubenskrise befand. Ihre massiven Zweifel an der Existenz Gottes setzten schon bald nach Gründung ihres Ordens ein und haben sie bis zu ihrem Tod nicht mehr verlassen.
Diese Unsicherheit ließ sie auch am Sinn ihrer Tätigkeit und Aufrichtigkeit, an der Bedeutung kirchlicher Rituale bzw. Sakramente (wie Gebet, Messe und Beichte) und an ihrem Verhältnis zu den Mitmenschen zweifeln. In bezeichnenden Passagen schreibt sie: „In meinem Innern ist es eiskalt“ oder „Die Seelen ziehen mich nicht mehr an - der Himmel bedeutet nichts mehr - für mich schaut er wie ein leerer Platz aus.“
Tod und Seligsprechung
Wenige Tage nach dem Tod von Prinzessin Diana, den sie sehr bedauert hatte, starb Mutter Teresa am 5. September 1997. Unter großer Anteilnahme der Weltöffentlichkeit wurde sie in Kalkutta beigesetzt.
Der Selig- und Heiligsprechungsprozess begann im Juni 1999. Dies geschah mit besonderer Erlaubnis von Papst Johannes Paul II., da üblicherweise dieser Prozess frühestens fünf Jahre nach dem Tod eines Menschen eingeleitet werden darf. Die Seligsprechung geschah am 19. Oktober 2003 und war damals die schnellste Seligsprechung der Neuzeit. Die von Mutter Teresa in Briefen an ihre Beichtväter geäußerten Zweifel an der Existenz Gottes und Jesu Christi sind nach Ansicht von Kardinälen kein Hindernis für eine mögliche Heiligsprechung, da Glaubensschwierigkeiten ("dunkle Nacht der Seele") bei vielen Heiligen auftauchen.

Kritik an der Arbeit Mutter Teresas

Als Hauptkritikpunkte werden angeführt:
Leicht heilbare Patienten wurden vom Sterbehaus nicht immer in ein Krankenhaus eingewiesen, sondern ihnen wurde bisweilen durch die Behandlung womöglich geschadet, z. B. durch Verwendung nicht sterilisierter, mehrfach verwendeter Spritzen.
Die Patienten mussten im Sterbehaus vielfach auf primitiven Feldbetten in großer Zahl auf engstem Raum vegetieren und auch die Nahrungsversorgung war nicht immer im nötigen Umfang gewährleistet.
Viel weitergehender ist die Kritik, die der indische Autor Aroup Chatterjee in seinem Buch The final verdict anführt. So bezweifelt er in einem Interview, dass die Hilfstätigkeit in Kalkutta überhaupt stattgefunden habe ("36.000 Kranke, die sie von der Straße aufgesammelt habe. Ich fand keinen einzigen Menschen, dem das passiert ist [...] Krankenwagen des Ordens sind zum Fahrdienst für die Nonnen umgebaut worden, und bei Hilferufen verwies der Orden auf die Ambulanz von Kalkutta.")
Ein weiterer Kritikpunkt ist Mutter Teresas entschiedene Ablehnung der Abtreibung, unter anderem als "größter Zerstörer des Friedens". Im selben Kontext geriet auch ihre Ablehnung von künstlicher Verhütung in die Kritik